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"Eindrücke, die mich stark geprägt haben"
Im Frühjahr 2002 habe ich mich entschieden, einen Sozialen
Freiwilligendienst in Moskau zu leisten. Ausschlaggebend
waren für mich verschiedene Faktoren. Entscheidend waren
die zwei Russlandbesuche, die ich bis zu diesem Zeitpunkt
schon gemacht hatte. Ich war damals beeindruckt und fasziniert
von dem, was sich in diesem Land verbirgt, das ich bis dahin
völlig anders eingeschätzt hatte. Besonders die
netten Leute waren es, die mich schnell davon überzeugten,
dass ich dieses Land besser kennen lernen muss. Zum anderen
war es die offene Frage, was ich nach dem Abschluss meiner
Schulausbildung mache, die hier ganz unverhofft eine Lösung
fand. Was mich außerdem reizte war die Möglichkeit,
mal ganz weit weg vom Elternhaus zu sein, und zu beweisen,
dass ich auch selbstständig was auf die Beine stellen
kann.
Verwirklichen konnte ich das durch den Verein "Sozialer
Friedensdienst zur Völkerverständigung mit Osteuropa",
der mich nach einem Vorstellungsgespräch im Sommer
zum Vorbereitungsseminar einlud.
Dort lernte ich die anderen Freiwilligen kennen, unter denen auch meine zukünftigen "Genossen" waren,
mit denen ich für ein Jahr sozusagen als "Schicksalsgemeinschaft" in
Moskau engsten Kontakt haben sollte. Dort stellte sich schnell heraus, dass
die Beweggründe des Einzelnen, einen solchen Dienst zu machen, ganz unterschiedlich
waren.
Manche waren sogar noch nie in dem Land gewesen, in dem sie sich für ein
Jahr engagieren sollten, einer hatte als "Russlanddeutscher" ein
Interesse daran, seine Heimat besser kennen zu lernen. Was uns verband, war
die Bereitschaft, im Zeichen der Völkerverständigung eine soziale
Tätigkeit in Moskau auszuüben.
Ich habe erstmals konkret im sozialen Bereich gearbeitet,
als ich im Sommer 2002 bei der Lebenshilfe Tübingen
ein Praktikum machte, wo ich mit erwachsenen geistig behinderten
Menschen zu tun hatte. Das war für mich eine (psychisch)
anstrengende, aber auf jeden Fall lohnenswerte Sache. Allerdings
bin ich mit der Thematik vertraut, da mein Vater als Ergotherapeut
arbeitet und meine Mutter Erzieherin in einem Kindergarten
für behinderte Kinder ist.
Außerdem wurden wir in unsere neuen Aufgaben eingeführt.
Ich bekam drei Tätigkeiten: Zum einen half ich im "Zentr
letschebnoj pedagogiki", zu deutsch: Heilpädagogisches
Zentrum oder einfach HPZ. Dann war ich noch in der Schule
1702 in Jasenevo, einem Bezirk im Süden Moskaus engagiert.
Im Zusammenhang damit hatte ich die Aufgabe, den Schüler
Kirill zu betreuen, der an einer seltenen Form von Muskelschwund
leidet und autistisch ist. Hinzu kamen ab und zu Aushilfejobs,
bei denen ich beispielsweise bei der Unterstützung alter
Menschen half, was zum Beispiel heißen konnte, dass
ich eine alte Frau zur Poliklinik brachte.
Merlin Rehmannn, Moskau 2003
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