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Sommerlager
für Kinder und Erwachsene in Minsk 2005
Ein
Abschlussbericht
der Sommerlager 2005
An dem Morgen, an dem die 21 Kinder in ihr Heim Novinki zurückfuhren,
herrschte im Speisesaal eine bedrückte
Stimmung. Es war nicht so laut wie sonst und die Kinder waren
gleichzeitig sehr aufgewühlt und unruhig.
Nur unsere
Krankenschwester versuchte, gute Laune zu verbreiten, indem
sie noch einmal ganz euphorisch das achttägige Lager
zusammenfasste und die Kinder ermutigte, den Anderen in Novinki von
allem zu erzählen – vom guten Essen, vom tollen
Wetter, vom Sandstrand am See, von unserem Lagerfeuer am
letzten
Abend.
Irgendjemand fuhr sie daraufhin an, er würde
mit niemandem darüber sprechen. Die Kinder hatten wohl
unter sich eine Absprache getroffen, dass sie all das, was
sie erlebt hatten, unter sich
behalten wollten.
Als der Minibus von Novinki pünktlich um 9 Uhr ankam,
um die Kinder und Betreuer abzuholen, war einigen die Freude
ins Gesicht geschrieben, endlich
nach Hause zu kommen. Andere konnten ihre Tränen nur mühsam verbergen.
Wir Freiwilligen waren an dem Tag ausgebrannt und müde und natürlich
auch sehr traurig. Zum Glück hatten die drei Mitarbeiter von Novinki die
Abreise gut organisiert und so mussten wir nur noch die gepackten Taschen
in den Bus räumen.
Als die Kinder alle abgefahren waren, verabschiedeten
wir uns noch kurz voneinander und fuhren dann nach Hause.
Der letzte Tag im Erwachsenenlager eine Woche zuvor lief
ganz anders ab - aber noch viel anstrengender:
Schon am Tag vor der Abreise waren eigentlich alle zwölf
Teilnehmer und die zehn Freiwilligen sehr bedrückt.
Vor dem Abendessen machten wir noch eine Auswertungsrunde,
in
der alle noch
einmal zusammenfassen sollten, was ihnen auf dem Lager gefallen
hatte und was nicht. Ich persönlich fand diese Runde
so bedrückend, weil mir plötzlich bewusst
wurde, welche Bedeutung das Sommerlager für die
erwachsenen Teilnehmer hat. Es fällt mir sehr schwer,
die Stimmung an diesem Abend wiederzugeben und ich befürchte,
wenn ich es doch versuchen würde, dass es allzu platt
und belanglos klingen würde.
Die Frau, die uns am Tag der Anfahrt vor dem Heim Draschnja jubelnd
und mit erhobenen Armen empfangen hatte, weinte und konnte sich lange nicht
beruhigen.
Eine Freiwillige fehlte und kam erst gegen Ende unserer kleinen Runde mit verheulten
Augen aus ihrem Zimmer.
Am nächsten Morgen brach dann das Chaos aus. Wir versuchten, die Kleidung,
die wir gewaschen hatten, wieder ihren Besitzern zuzuordnen. Alle übrig
gebliebenen Cremes, Shampoo, Kekse, Tee etc wurden unter den Teilnehmern aufgeteilt.
Zwischendurch gab es Mittagessen und wir schafften es danach nicht einmal,
das gebrauchte Geschirr zurück in die Küche zu bringen.
Der bestellte Bus kam nicht und wir mussten so einen
Ersatz organisieren – mir ist heute noch nicht ganz klar, wie genau
wir das geschafft haben.
Alle Teilnehmer freuten sich natürlich sehr über
die unerwartete Verlängerung des Sommerlagers und schmiedeten schon
Pläne,
im „Sputnik“ zu überwintern. Als dann gegen 17
Uhr endlich unser Minibus und ein Taxi eintrafen, haben wir alle mehr oder
weniger nur
noch „funktioniert“. Die Taschen wurden eingeladen, die Rollstühle
in den Kofferräumen verstaut. Glücklicherweise ging alles relativ schnell
und es traten keine Probleme auf.
Alle Teilnehmer, alle weißrussischen und deutschen
Freiwilligen waren sich in einem Punkt einig: Die Sommerlager
für
Kinder und Erwachsene mit Behinderung waren ein voller Erfolg
und
wir möchten diese Tradition, die die Freiwilligen
vor fünf Jahren begonnen haben, auch im nächsten Jahr weiterführen.
Wieder gibt es
viel zu organisieren, doch da wir nun schon alle etwas
Erfahrung sammeln konnten – manche Freiwillige engagieren
sich bereits seit fünf Jahren für dieses Projekt – wird
uns die Arbeit nun wieder ein Stück leichter fallen.
Das größte Problem ist weiterhin die Finanzierung.
Obwohl ein kleiner Teil der Spenden für die Lager
2005 übriggeblieben ist, müssen wir uns doch
schon in naher Zukunft nach neuen Sponsoren umschauen und
Kontakt mit denen aufnehmen, die uns 2005 unterstützt
haben.
Um unsere Pläne besser realisieren zu können,
planen wir die Gründung eines Fördervereins für
die Sommerlager in Minsk. Das wird viel Zeit in Anspruch
nehmen – im Frühjahr 2006 werden wir dieses Ziel
aber hoffentlich erreicht haben.
Wir alle freuen uns schon sehr auf die Sommerlager 2006,
die wiederum für die „neuen“ Freiwilligen
den krönenden Abschluss ihres Dienstes bilden werden
und für uns alte Generation eine Möglichkeit sind, „unsere“ Kinder
und Erwachsene wiederzusehen. Die größte Bedeutung
haben die Sommerlager allerdings für die Teilnehmer.
Für viele von Ihnen ist es die einzige Möglichkeit,
dem tristen Heimalltag eine kurze Zeit zu entfliehen und
sich in einer positiven Umgebung zu erholen.
Wer die Heime Novinki und Draschnja einmal kennengelernt
hat, kann nachvollziehen, wie wichtig die Lager für
ihre Bewohner sind.
Evelyn
Funk, Minsk (Weißrussland)
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