Sozialer Friedensdienst zur Völkerverständigung
 

mit Osteuropa

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Das Heilpädagogische Zentrum (HPZ)

Bereits wenige Tage nach unserer Ankunft in Moskau, stellte uns ein Freiwilliger aus der Vorgängergruppe, Oleg, im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) vor.

Dort war ein kleines Seminar für uns vorbereitet worden, in dem uns die Arbeit des HPZ und Geschichte der Organisation vorgestellt wurden. Es hatte sich kurz nach der Perestroijka aus einigen Pädagogen staatlicher Heime gegründet, die mit dem Umgang mit Behinderten in der Sowjetunion nicht zufrieden waren. Dort wurden und werden auch heute noch Behinderte als nicht zur Gesellschaft Gehörige in Heimen von der Gesellschaft ferngehalten, ohne durch spezielle Therapien unterstützt zu werden. Mit stark anthroposophischen Ansätzen versucht nun das HPZ den Spagat zwischen vielen wichtigen Aktivitäten: Im Zentrum die Therapie für möglichst viele Kinder anzubieten, Fachliteratur ins Russische zu übersetzen und zu vertreiben, Verfassungsklagen auf das dort verankerte Recht auf Bildung für alle Kinder mit juristischer Hilfe durchzusetzen, die junge Schule für behinderte Kinder und den integrativen Kindergarten zu etablieren sowie Behindertenwerkstätten aufzubauen - mit Hilfen des TACIS-Programmes der EU.
Anfangs arbeiten wir Freiwilligen eine Woche in Garten und Küche, bis klar war, wo man in diesem Jahr die Hilfe der Friedis benötigte und konkrete Dienstpläne entworfen werden konnten. Ich sollte in einer Gruppe autistischer Kinder arbeiten und dort die Pädagogin unterstützen, einen Tag in der Küche helfen und einen Tag nach Jasenewo in den integrativen Kindergarten fahren, sowie bei einer deutschen Spendenorganisation, die sich aus ehemaligen Freiwilligen gegründet hatte, um die Eltern behinderter Kinder finanziell zu unterstützen, arbeiten.
Anfangs jedoch hatte ich in der Gruppe, in der ich arbeitete, ziemliche Schwierigkeiten, da die Pädagogin sehr schweigsam war. Ich hatte Angst, keine gute Arbeit zu leisten und wunderte mich, warum meine Fragen über die Kinder nicht beantwortet wurden. Es stellte sich allerdings heraus, dass diese Schweigsamkeit eine Eigenart von Sveta, der Pädagogin, war und diese eigentlich ganz zufrieden war mit meiner Arbeit. Sie dächte jedoch, dass mein Russisch noch um einiges schlechter sei, als es war und traue sich deswegen nicht, mir komplizierte Sachverhalte zu erklären, da ihr Englisch sehr schlecht sei. Mit der Zeit wurden mir dann verantwortungsvollere Aufgaben zugeteilt, wie zum Beispiel der Sportunterricht, so dass ich mich doch noch zurechtfand, auch wenn ich die ganze Zeit nie ein ausgiebiges Gespräch mit Sveta führte.

Im Süden Moskaus liegt die Stadt Jasenwo
. Dort befindet sich die Schule für behinderte Kinder, die sich aus dem HPZ entwickelte und vor kurzem als Experiment verstaatlicht wurde. Ich arbeitete dort jeden Mittwoch im ersten integrativen Kindergarten Moskaus. Jeden Mittwoch konnten dort auch "Zentrumskinder", meist Autisten, am Kindergartenprogramm teilnehmen.
Zusammen mit einer Pädagogin, die auch nur Mittwochs dort arbeitet, kümmerte ich mich insbesondere um die behinderten Kinder in meiner Gruppe, in der die Kinder 3 oder 4 Jahre alt waren. Da dies kein festes Therapieprogramm beinhaltete wie in meiner Vorschulgruppe im Zentrum, konnte ich mich dort besonders einbringen und nach Herzenslust mit ihnen Malen, Basteln, Spielen etc. Ich hatte allerdings auch feste Aufgaben, wie die Kinder umziehen, mit ihnen spazieren gehen, sie beim Frühstück oder Mittagessen füttern etc. Insgesamt hätte ich gerne mehr Zeit dort verbracht, was aber wegen relativ engen Zeitplänen nicht möglich war.

Luitgard Hagl, Moskau 2003

 
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 18.01.2006